Presse 2018

5. Oktober 2018 Aus Von rwerner

Wochenkurier - Run and Gone

WochenENDspiegel

Gemeinsam laufen gegen Drogen

Publiziert 6. September 2018 | Von Andre Kaiser

Region. Exzessive Kontrollverluste durch Drogen und Alkohol, Langzeittherapien und ein schwerer Rückfall, der, wie er selbst sagt, für ihn im Chaos endete. Reno Werner erlebte den totalen Absturz und fand in seiner schwersten Lebenskrise den Weg aus der Abhängigkeit. Dabei halfen ihm unter anderem neu gewonnene Freunde und eine Leidenschaft, die er in dieser Zeit für sich entdeckte, das Laufen. 

„Es war vor drei Jahren“, erinnert sich der heute 35-Jährige. „Ich wollte alles hinter mir lassen und neu beginnen.“ Damals lief Reno Werner drei Tage lang von Leipzig nach Weißwasser, um seine Familie zu besuchen – die ersten Schritte zum Präventionsprojekt RUN AND GONE.

Denn ein Jahr später lief er wieder, bekam dabei Unterstützung von Roberto Füger aus Leipzig und Jörg Fischer aus Görlitz. Zudem entwickelte sich eine tiefe Verbindung zur Alten Flugschule in Großrückerswalde und zum Gassenlauf. Auch in diesem Jahr haben sich die Freunde zu Fuß bzw. mit dem Rad wieder auf den Weg gemacht, laufen von Weißwasser bis ins Erzgebirge, wo sie am Freitag (07.09.2018) zum Gassenlauf in Großrückerswalde ankommen sollten. Während ihrer Tour besuchten sie verschiedene Entgiftungsstationen, kamen mit Betroffenen ins Gespräch und schenkte ihnen Mut und Hoffnung, weiter zu kämpfen.

Im Vorfeld sprachen wir mit Reno Werner über die Vergangenheit, die Gegenwart und Zukunft.

Herr Werner, das Präventionsprojekt RUN AND GONE hatten Sie vor drei Jahren ins Leben gerufen. Warum?
Die Idee entstand aus einer meiner schwersten Lebenskrisen. Ich hatte vor langer Zeit die Alte Flugschule in Großrückerswalde besucht, machte dort zwei Langzeittherapien wegen jahrelanger exzessiver Kontrollverluste unter Drogen, Alkohol und anderer Sachen, die einem seine Gefühle betäuben.
Von 2011 bis 2016 hatte ich mein altes Leben komplett umgekrempelt, ließ von den Dingen, die mir schadeten, ab. Dennoch gab es immer wieder kleine Rückschläge, die ich aber gut abfedern konnte. 2016 jedoch hatte ich einen schweren Rückfall, der im Chaos endete. Ich wollte endlich frei werden und beschloss, den Weg von Leipzig nach Weißwasser im Marathonmodus zurück zu legen. Daraus entstand dann die Idee zu dem Lauf.

Können Sie das etwas näher erklären?
Ich sag es einmal so: Ich habe vielen Menschen sehr viel zu verdanken. Menschen, die daran glaubten, dass ich es schaffen kann, Sucht und Drogen zu entsagen. Hätte ich diese Chance nicht bekommen, wäre ich heute nicht mehr hier. Davon bin ich überzeugt. Dies möchte ich mit meiner Arbeit weiter vermitteln und den Menschen, die aus schwierigen Lebensverhältnissen kommen oder die schwere Zeiten hinter sich haben, sagen: Ihr habt eine Chance da raus zu kommen. Ich zeige ihnen Wege auf und mache ihnen Mut, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen und für sich etwas zu entdecken, was einen ganzheitlich erfüllt, etwas, in das man Liebe und Leidenschaft investiert, weil es das Leben einfach zum Positiven verändert.

RUN AND GONE – Was bedeutet das?
Bei RUN AND GONE müssen die beiden Worte getrennt voneinander betrachtet werden. RUN steht für den Lauf und GONE steht für das, was hinter einem liegt.

Und wie wollen Sie Betroffene erreichen?
Durch das Projekt möchten wir zunächst einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel herbeiführen und gesellschaftlich relevante Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen beeinflussen, erhalten oder bewusst machen. Wichtig sind uns die Menschen, die wir besuchen, denen wir begegnen und mit denen wir ins Gespräch kommen. Auf unserem Weg besuchen wir gezielt Einrichtungen, die sich die Aufgabe gestellt haben, Menschen zu helfen, die an einer Sucht erkrankt sind. Dort setzen wir an, berichten von unseren eigenen Erfahrungen, kommen mit den Betroffenen ins Gespräch und geben ihnen Hoffnung, weiter gegen die Sucht zu kämpfen, weil es sich lohnt.

Nun sind Sie ja nicht allein. Wer unterstützt Sie bei dem Vorhaben?
Das ist richtig. Im Team beteiligen sich zwei sehr gute Freunde von mir. Roberto Füger aus Leipzig und Jörg Fischer aus Görlitz sind von Anfang an dabei und waren schon zu Beginn vollauf begeistert. Entsprechend arbeiten sie ebenso wie ich mit vollster Hingabe und Leidenschaft an dem Projekt. Die Aufgaben sind gut verteilt und jeder hat seinen Bereich.

Gestatten Sie mir eine letzte Frage. Sie sagten, dass das Projekt „Gemeinsam laufen gegen Drogen“ weiter wachsen soll. Wo sehen Sie RUN AND GONE in ein paar Jahren?
Wohin die Reise geht und welche weiteren Projekte daraus entstehen werden, das können wir heute noch nicht sagen. Jedoch wollen wir für unsere Vision Jahr für Jahr wachsen. Dafür ist es wichtig, dass man Freunde und Partner an seiner Seite hat, die einen aus Überzeugung unterstützen. Daher möchte ich an dieser Stelle einmal danke sagen. Vielen Dank an Roberto Füger und Jörg Fischer sowie die zahlreichen Sponsoren und Wegbegleiter, durch deren Unterstützung das Projekt in den vergangenen drei Jahren erst wachsen konnte.

Projekt gegen Drogen

Durchhalten im Leben und im Lauf

Die Teilnehmer am Run-and-Gone-Lauf in Weißwasser. FOTO: Arlt Martina

Weißwasser. RUN AND GONE-Lauf /Gemeinsam Laufen macht sich in Weißwasser zum dritten Mal in die Spur. Von Martina Arlt, am 3. September 2018 | 17:12 Uhr

Mehr als 20 Läufer haben sich am Samstagmorgen in der Görlitzer Straße vor dem Sanitätsfachgeschäft Herzig in Weißwasser versammelt. Dort startete in dritter Auflage der Run-and-Gon-Lauf/Gemeinsam Laufen. An vorderster Front waren Jörg Fischer (49) aus Görlitz, Roberto Füger (35) aus Leipzig und Reno Werner (35) aus Weißwasser zu finden. Mit diesem Lauf setzen sie und auch weitere Teilnehmer ein „Zeichen gegen Drogen“. Wie alle wissen, kann man dadurch ganz schnell in eine schwere Lebenskrise verfallen und auch das war der Grund dieser Leute, dieses Projekt zu starten. So wurde diese Aktion von Menschen organisiert, die selbst in Kontakt zu Drogen kamen und nun einen ganz neuen positiven Weg eingeschlagen haben. „Wir möchten Vergangenes hinter uns lassen und immer wieder auf dieses Problem aufmerksam machen, welche Auswirkungen Drogen haben. Wir wollen Erfahrungen weitergeben, wie man erfolgreich von Suchtmitteln abkommt. Durchhalten ist dabei ein ganz wichtiges Stichwort. Im Rahmen unseres Laufes werden wir auch in Suchteinrichtungen zu offenen Gesprächsrunden einladen. Dass wir uns in der Gemeinschaft auf den Weg machen, hat einen Symbolcharakter, dem Mensch einfach eine Chance zu geben“, so Jörg Fischer. Roberto ist beruflich bei den Wasserwerken in Leipzig beschäftigt, Jörg absolviert eine Ausbildung zum Sozialassistenten und Reno befindet sich in der Ausbildung zum Erzieher.

Im Rahmen dieses Laufes sind sie sieben Tage unterwegs und starteten am Samstag in Richtung Braunsteich in Weißwasser, weiter nach Niesky, Löbau, Bischofswerda, Dresden. Der krönende Abschluss ist dann jedes Jahr der Gassenlauf in Großrückerswalde im Erzgebirge. Täglich werden die Teilnehmer einen Marathon starten, jeweils circa 40 Kilometer.

„Wir haben keinen Zeitdruck, wir laufen gemütlich über den Tag. Unsere Übernachtungen haben wir uns gebucht. Auch Fahrräder sind dabei, um das Gepäck mitzuführen. Dieser Lauf ist nun schon so eine Tradition in Weißwasser geworden. Das Team Herzig unterstützt uns bei dieser Aktion jedes Jahr wunderbar“, so Jörg Fischer.

 

RUN AND GONE bei RASOP, am 05.09.2018 in Dresden

Cleanes Laufprojekt machte Station bei den Radebeuler Sozialprojekten

Am 05.09.2018 besuchte uns in unseren Räumen in der Freiberger Straße 122 unser ehemaliger Klient Reno Werner mit seinen Mitstreitern Roberto Füger und Jörg Fischer. Bereits zum dritten Mal laufen sie unter dem Motto „Run and Gone – gemeinsam laufen gegen Drogen“ jeden Tag eine Marathondistanz und besuchen bei ihren Etappen, die insgesamt 300 km umfassen, Therapieeinrichtungen, Suchtkliniken und Suchthilfeträger.

Reno Werner hatte die Idee zu seinem cleanen Laufprojekt nach einem schweren Autounfall, nach dem niemand glaubte, dass er „überhaupt wieder aufstehen“ würde. Die Namensgebung greift mit „Run“ das laufen auf, das für ihn auch therapeutische Wirkung hat und Erfüllung bringt. „Gone“ bezieht sich auf das, was man hinter sich lässt: die schwere zeit, die Tiefschläge, die Suchterkrankung. Er hat dieses Vorhaben „Run & Gone“ mit enorm viel Kraft, Ehrgeiz, Leidenschaft und Durchhaltevermögen über mehrere Jahre entwickelt und so seine Suchterkrankung und schwere persönliche Krisen überwinden können.

Am vergangen Donnerstag waren wir der Anlaufpunkt. Reno traf sich nach 11 Jahren mit seinem damaligen Betreuer Jörg Maxwitat wieder, der nun in unserer Firma als Sozialpädagoge und Fachberater für ambulante Hilfen tätig ist. Es gab einen Pressetermin mit der Zeitung „Dresdner Neueste Nachrichten“ und im Anschluss eine Gesprächsrunde mit 20 Jugendlichen aus unseren pädagogisch-therapeutischen Wohngruppen „Haus Keulenberg“ und „Hof Dallwitz“. Reno Werner zeigte ein kurzes Video zu seinem Projekt und berichtete gemeinsam mit Roberto und Jörg von Wegen aus der Sucht. Es folgte ein sehr konzentrierter und reflektierter Austausch mit unseren Jugendlichen, den Jörg Maxwitat und unser Erlebnispädagoge Nico Darwich-Müller moderierten. Nach einer guten Stunde beendeten wir die Runde, denn Reno, Roberto und Jörg hatten sich vorgenommen, an diesem Tag über Tharandt bis nach Freiberg zu laufen. Fast alle Jugendlichen trauten es sich zu, die drei Ultra-Marathonläufer ein Stück des Weges zu begleiten. Mitarbeiter_innen aus dem Betreuerteam und der Öffentlichkeitsarbeit sowie eine Praktikantin gesellten sich hinzu und in der Freiberger Straße startete eine Laufgruppe von gut 30 Personen, die bei 29 Grad und Sonnenschein 5 Kilometer aus der Stadt hinaus bis zur Pesterwitzer Kirche den ersten langen Anstieg des Tages mit den Läufern teilte.

Hier mussten wir uns verabschieden. Das gegenseitige Kennenlernen war schön und viele Ideen entstanden – teilweise von den Jugendlichen eingebracht – wie wir unsere Zusammenarbeit ausbauen können. Auf jeden Fall werden wir Reno Werner auch zukünftig bei seinem Projekt unterstützen und freuen uns, dass wir ihn ein weiteres Stück seines Weges begleiten zu durften.

Viel Glück Euch dreien auf den weiteren Etappen!

| 19:57 Uhr

Weißwasser Lausitzer Rundschau

Jugendliche rennen dem Elend davon

Diesen Sonnabend wollen mehrere Jugendliche von Weißwasser nach Klitten einen guten Halbmarathon bestreiten. Ihre Laufmotivation soll für neuen Lebensmut sorgen. Von Torsten Richter-Zippack

„Um es vorwegzunehmen: Wir werden definitiv keinen Bestzeiten hinterher jagen“, stellt Reno Werner klar. Der Blick auf die Uhr sei während der dritten Auflage des „Run-and-Gone“-Laufes absolute Nebensache. Stattdessen gehe es um das Durchhalten. Um das Weglaufen vom Elend. Denn Reno Werner wird sich nicht mit Profi- oder Freizeitsportlern auf die Distanz begeben, sondern mit Jugendlichen aus schwierigen und schwierigsten sozialen Verhältnissen. Diese leben unweit von Klitten in einer Jugendhilfeeinrichtung, tief im Wald versteckt. „Die Leute kommen vor allem aus dem Ruhrgebiet“, erzählt Werner. Derzeit wohnen dort neun Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren. Die Distanz zur alten Heimat ist gewollt. „Damit stellen wir den nötigen Abstand zu den schrecklichen Erlebnissen aus der Vergangenheit her“, erklärt Reno Werner, der in Bad Muskau lebt.

Auch seine zwei Sportler, die am Sonnabend auf die Piste gehen wollen, stammen aus komplizierten Verhältnissen. Mehr will Reno Werner dazu nicht sagen. Zum einen handele es sich um einen 19-Jährigen, der bereits zum dritten Mal am „Run-and-Gone“ teilnimmt. Ob sein Kollege auch tatsächlich starten wird, entscheide sich erst kurz vor dem Lauf. „Die Jugendlichen sehen jetzt ihren Lebensmittelpunkt in der Lausitz. Zurück in die alte Heimat wollen sie nicht“, sagt Werner.

Der gelernte Koch und jetzt angehende Erzieher weiß, wovon er spricht. „Meine Jugend und die anschließenden Jahre im Erwachsenenalter waren geprägt von Alkohol und Drogen. Ich war ganz unten, und bis zum Tod hat nicht mehr viel gefehlt“, blickt der heute 35-Jährige zurück. „Ich hatte so viele Abstürze und Kontrollverluste. Hauptsache, meine Birne war zu.“ In den Jahren 2011/2012 begannt Reno Werner mit einer Langzeittherapie im Erzgebirge, ging dann nach Leipzig, um dort seinen Schulabschluss nachzuholen. Jetzt hat er sich entschieden, jungen Leuten mit ähnlichen Karrieren zu helfen. Deshalb die Umschulung. „Es gibt zwar viele studierte Soziologen, die wirklich einen guten Job machen. Aber es braucht auch Leute wie mich, die die Hölle am eigenen Körper erlebt haben.“

Im Jahr 2014 legte der Bad Muskauer erstmals die Strecke von Leipzig in die Lausitz zu Fuß zurück. Dabei habe er Feuer für den Marathonsport gefangen. Jetzt geht es also zum dritten Mal von Weißwasser nach Klitten. Mit von der Partie sind die erfahrenen Marathonläufer Roberto Füger und Jörg Fischer. „Wir sind ein super Team“, urteilt Reno Werner.

Der Startschuss am 1. September fällt um 9 Uhr vor dem Sanitätshaus Herzig an der Görlitzer Straße in Weißwasser. Zunächst geht es über acht Kilometer nach Weißkeißel, anschließend durch die Muskauer Heide nach Klitten. „Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre brauchen wir für die Gesamtstrecke fünf bis sechs Stunden“, hat Werner nachgerechnet. „Dabei geben immer die Jugendlichen das Tempo vor. Wenn jemand nicht mehr kann, wird halt eine Pause eingelegt.“ Wichtig sei das Durchhalten. Und natürlich das sich am Ende einstellende Erfolgsgefühl. „Klar fühlen wir uns am Ende des Tages sehr erschöpft, aber eben auch sehr stolz auf das Geschaffte“, resümiert der 35-Jährige. Nicht zuletzt entstehe ein Gemeinschaftsgefühl, an dem die Jugendlichen wachsen.

Der angehende Erzieher trainiert die Jugendlichen auch selbst. „Eine richtige Vorbereitung gibt es aber nicht. Wer Lust hat, kommt eben mit auf die Strecke.“, sagt Werner. Er selbst laufe am liebsten im Muskauer Park, da es dort so viele verschiedene Streckenvarianten gibt.

Für Reno Werner gibt es inzwischen nichts Schöneres als das Laufen. „Ich nehme auch am Dresden- sowie am Görlitz-Marathon teil“, sagt der Bad Muskauer, der aktuell ein Praktikum in einer Weißwasseraner Kita absolviert, stolz. „Und es geht dabei immer nur um die Teilnahme, nie ums Gewinnen.

Übrigens: Wer die Läufer am Sonnabend begleiten will, kann dies gern tun. Für Reno Werner, Roberto Füger und Jörg Fischer ist in Klitten indes noch lange nicht Feierabend. Anschließend gehe es weiter nach Niesky und von dort quer durch Sachsen bis ins Erzgebirge „Am Ende werden wir um die 300 Kilometer unter den Sohlen haben“, hat Reno Werner auf der Landkarte nachgemessen.

Wochenkurier Weißwasser